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Vom Potenzial der Selbstwirksamkeit

Welchen Schlüssel halten Sie in der Hand - Vom Potenzial der Selbstwirksamkeit

Gesundheit ist ein Lebensthema, das mich nicht nur in meiner Tätigkeit als Bewegungstrainerin, Gesundheitskoordinatorin und Seminarleiterin begleitet, sondern auch als Mensch, welcher frei von beruflichen Rollen, Arbeitsaufgaben und Erwartungen ist. Wie funktioniert Gesundheit? Was braucht es für Gesundheit?

Dies sind Fragen, die mir während meiner Ausbildung zur Physiotherapeutin, während meines Studiums in Fitness and Healthmanagement und bei jedem Schnupfen oder anderen körperlichen Herausforderungen auf der Seele brannten. Dabei ließ ich mich auf der Welle der unzähligen Angebote zur Gesundheitsförderung mitreißen und war überzeugt, dass Gesundheit ein Zustand ist, den ich mit viel Disziplin erreichen kann, wenn ich nur genug dafür tue. Mehr Energie durch Low Carb, bessere Beweglichkeit durch Faszientraining, mehr Kraft durch das Training mit hohen Gewichten, dann werde ich glücklicher und zufriedener sein – dachte ich mir. Zwischen Supersätzen, Kalorienzählen und akribischem Suchen nach anatomischen Zusammenhängen bemerkte ich kaum, wie ich den Blick fürs große Ganze verlor und die wohl wichtigste Komponente im Erleben von Gesundheit außer Acht ließ: mein Wohlbefinden.
Und so kam es, dass ich mich zwar mit meinem Körper und dem Thema Gesundheit oberflächlich beschäftigte, jedoch zum Großteil den Zugang zu meinem grundlegenden körperlichen und seelischen Wohlbefinden verlor.

Heute ist es für mich nicht verwunderlich, dass ich den Fitnessplan dann nur noch lückenhaft ausgefüllt habe – obwohl er nach allen Regeln der Trainingswissenschaften perfekt aufgebaut wurde – und das Essen nicht mehr schmeckte, obwohl es frisch und selbst zubereitet war. Obendrein befand ich mich monatelang irgendwo zwischen Nasennebenhöhlenentzündung und Fieber. Schon damals hatte mein Körper den richtigen „Riecher“: Er hatte buchstäblich die Nase voll vom „höher, weiter, schneller“ und dem Auferlegen zusätzlicher Arbeit. Denn genau das war Gesundheit damals für mich und manifestierte sich als Glaubenssatz in meinem Unterbewusstsein: Gesundheit ist Arbeit, eine zusätzliche Aufgabe also, und dies bedeutet, immer mit etwas beschäftigt zu sein.
Ich wusste, dass ich mit dieser Einstellung nicht allein war. Oft teilten mir Teilnehmer in Workshops oder Patienten auf der Behandlungsliege mit, dass sie keine Zeit hätten für eine weitere Aufgabe, dass Sport anstrengend sei oder eine Umstellung der Ernährung sich einfach zu aufwendig gestalten würde. Der allgemeine Konsens lautete: Gesundheit ist nicht erreichbar, denn Gesundheit ist mit Anstrengung, Überwindung und letztendlich Stress verbunden.
Obwohl ich, statt der Vermeidung, eher die Anstrengung und Überwindung als Gesundheitsstrategie wählte, fühlte ich mich diesen Menschen sehr verbunden. „Das kann es nicht sein“, dachte ich. Wie soll ein anstrengender, stressiger und unangenehmer Weg zu Zufriedenheit und Glück führen? Also zu genau dem, was wir uns von Gesundheit wünschen?

Das Potenzial der Selbstwirksamkeit

Der Wendepunkt kam letztes Jahr. Mir war es nicht mehr möglich, die Anstrengung und das disziplinierte Verhalten aufrechtzuerhalten. Ich war energielos und erschöpft. Heute sehe ich diesen Zustand als das größte Geschenk an, das ich mir selbst machen konnte. Ich war gewissermaßen gezwungen, das Suchen im Außen, in all den Gesundheitstipps, Ratgebern und den allgemeinen Fitnessversprechen ad acta zu legen. Und das war gut, denn „Suchen“ impliziert immer eine Ausrichtung auf etwas, von dem man glaubt, es sei noch nicht vorhanden. Es spiegelt Mangel und Defizit wider und verleitet dazu, sich die Lösung für ein Problem in der Zukunft zu erhoffen, statt das Vorhandene im Hier und Jetzt zu nutzen.
Wir glauben, als Menschen unvollständig oder fehlerhaft zu sein und das, was in der Zukunft liegt – mehr Geld, mehr Ausdauer, ein besserer BMI oder mehr Urlaub – könnten uns komplett machen. Und so suchen wir und finden vielleicht sogar für kurze Momente die Befriedigung unserer Bedürfnisse. Doch was kommt danach? Wenn wir das Suchen als Lösung betrachten, dann werden wir ständig auf der Suche sein, im Glauben, darin sei ein erfülltes Leben zu finden. Jedoch ist das Gegenteil der Fall! Von Natur aus sind wir mit einem gewaltigen Potenzial ausgestattet, welches uns tagtäglich zur Verfügung steht, uns jederzeit vollständig macht und die Suche beendet: Es ist das Potenzial der Selbstwirksamkeit.
Wirksam für sich selbst zu sein, meint unsere Fähigkeit, die Fäden unseres Lebens selbst in die Hand zu nehmen, um das zu schöpfen, was wir „Alltag“ nennen. Statt Opfer äußerer Verstrickungen, blinden Gehorsams oder von Trends zu werden, spinnen wir unser eigenes Netz aus Erfahrungen, inneren Ausrichtungen und Erlebnissen und erkennen, dass wir mitgestalten können. Es erscheint mir heute beinahe schon absurd, zu glauben, jemand anderes wüsste, was gut oder schlecht, wohltuend oder stressig für mich sein könnte.

Die Suche beenden

Ich beendete also die Suche und hörte auf. „Auf-Hören“, ein interessantes Wort, wenn wir uns dessen Zweideutigkeit näher betrachten: Ich höre auf, indem ich etwas beende, und ich höre auf, indem ich zuhöre. Ich hörte auf, diverse Gesundheitstipps zu konsumieren, und hörte mir selbst zu. Ich habe seitdem nicht mehr damit aufgehört. Ich fing an, meinen Körper um Rat zu fragen, statt wissenschaftlichen Artikeln, Fitnessikonen oder anderen Experten im Gesundheitssystem blind zu folgen. Seitdem bin ich selbst mein effizientester und effektivster Gesundheitsratgeber. Ich fing also an, meine körperlichen und seelischen Befindlichkeiten wahrzunehmen, egal wie deutlich oder versteckt sie sich zeigten, egal wie angenehm oder unangenehm sie sich anfühlten. Ganz bewusst erfuhr ich so, wann ich müde, angestrengt, locker, entspannt, verspannt, aufgeregt oder gestresst war und konnte dieses Körpergefühl mit
den Dingen, die ich im Alltag tat, zusammenbringen. Schnell fiel mir auf, wie unglaublich vielfältig sich diese Selbstwahrnehmung auf körperlicher und seelischer
Ebene offenbarte, wie kohärent sich Körper und Seele ausdrückten und wie viel ich noch über mich selbst lernen kann, obwohl ich mich doch als Physiotherapeutin (Physis beschreibt nichts anderes als die körperliche Beschaffenheit des Menschen) schon so viel damit beschäftigt hatte.

Das Gefühl als Indikator

In diesem Prozess der radikalen Selbstehrlichkeit lösten sich viele Fragen rund um das Thema Gesundheit. Stattdessen kamen andere Fragen auf, die mich mehr und mehr zu meinem eigentlichen Lebenssinn führten: Wonach suche ich eigentlich? Wie will ich leben? Mir wurde bewusst, dass hinter dem Bestreben, Gesundheit im eigenen Alltag zu integrieren, eigentlich der Wunsch nach Wohlbefinden steckte. Ich erkannte, dass nicht das Sichbeschäftigen mit Gesundheitsmaßnahmen, also das reine Tun der erfüllende Punkt ist, sondern das Gefühl, das ich dadurch generieren möchte. Von da an wurde mir bewusst, wie oft wir Menschen – als Klienten, Kunden, Patienten, aber auch als Sportwissenschaftler, Therapeuten oder Berater in der Gesundheitsbranche – darauf fokussiert sind, etwas anzubieten und zu konsumieren, ohne dabei das Gefühl zu berücksichtigen. Somit erklärt sich für mich plausibel, warum die wenigsten Gesundheitsinterventionen, seien es Hausübungsprogramme, Ernährungsumstellungen oder Entspannungstechniken, nachhaltig im Alltag integriert werden, obwohl sie stimmig angeleitet, aufgebaut und erprobt sind. Genau hier knüpfen Selbstwahrnehmung und Selbstwirksamkeit an. Nur wenn ich weiß, wann ich mich wohlfühle und wann nicht, kann ich meine Handlungen danach ausrichten und das für mich beste Gesundheitsprogramm kreativ zusammenstellen.

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich sinngemäß an eine Aussage von Gerald Hüther, deutscher Hirn- und Bewusstseinsforscher: „Du kannst machen,
was du willst, du musst nur verstehen, was du tust.“ Verstehen ist nichts weiter als begreifen, erfassen, durchschauen. Verstehen oder auch begreifen, erfassen und durchschauen legen nahe, dass wir erst durch das Wahrnehmen von körperlichen Regungen erforschen können, was uns guttut und was nicht. Wir fühlen zunächst alles, um im Anschluss selbstbewusst und aktiv zu handeln, und zwar so, dass wir uns vorrangig wohlfühlen, denn: Das, was sich gut anfühlt, wiederholen wir, integrieren wir und wollen wir ausbauen. Wir erfahren Möglichkeitsräume und erschaffen so unsere eigene Realität. Es ist nun klar, warum allgemeingültige Gesundheitsrichtlinien nur kurzfristigen oder gar kein Erfolg mit sich bringen, wenn sie nicht gleichermaßen auch die eigene Selbstwahrnehmung und -wirksamkeit beleuchten und erfahrbar machen.

Das Leitbild in die Unternehmen tragen

Der Wille, mich wohl-zu-fühlen und mir bewusst zu sein, was ich in meinem Alltag erfahre, ist maßgebend, um Erschöpfung, Verspannung und Lustlosigkeit in Energie, Lebensfreude und Entspannung zu transformieren. Dieses Selbstbewusstsein bietet mir eine sichere und kompetente Basis in meinem privaten Umfeld, aber auch in meiner Arbeit bei SPORTIVATION. Als Dienstleister im betrieblichen Gesundheitsmanagement haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, kleine, mittlere und große Unternehmen im Thema Gesundheit am Arbeitsplatz zu unterstützen. Mittels Körperanalysen, Seminaren, Bewegungskursen und Gesundheitstagen sensibilisieren wir Mitarbeiter und Unternehmensführung für einen bewussten Umgang mit unterschiedlichen Gesundheitsthemen, beispielsweise Augenentspannung, gesunde Unternehmensführung oder Achtsamkeitstraining. Dabei geht es uns fortlaufend um Unterstützung, Eigenverantwortlichkeit und Zusammenarbeit statt Verantwortungsabgabe, was sich letztendlich auch in unserer Gesundheitsdefinition widerspiegelt:
„Meine Gesundheit ist die individuelle körperliche, geistige und soziale Balance, die sich in einem ständig wandelnden
Prozess befindet und die ich maßgeblich durch meine Einstellung und meinen Lebensstil beeinflussen kann.“
Vor allem durch unsere Arbeit als Gesundheitskoordinatoren tragen wir dieses Leitbild in Unternehmen. Als aktive Mitglieder in unternehmensinternen Steuerungskreisen sehen wir uns weder als allwissende Experten noch als Vorbilder für ein allgemeingültiges Gesundheitskonzept. Wir stehen den Beteiligten eher beratend zur Seite, schöpfen aus unserem Erfahrungsschatz im Managementprozess und begleiten so das Unternehmen auf seinem Weg hin zu mehr Zufriedenheit am Arbeitsplatz.
Wie dieser Weg konkret aussieht, ist unternehmensspezifisch und wandelt sich im Laufe der Zusammenarbeit ständig, und das ist gut so! Der Mensch ist keine Maschine, die von außen programmiert und eingestellt werden kann, sodass auf alle Zeiten derselbe Ablauf stattfinden kann. So wie jede Pflanze wächst und wieder vergeht, das Wetter plötzlich umschlagen kann oder Landstriche ihre Gestalt verändern, so verändern auch wir unsere menschlichen Bedürfnisse und Befindlichkeiten. Als Gesundheitsberater verstehen wir uns hier als Bindeglied zwischen Menschen, die sich selbst deutlicher wahrnehmen wollen und den unendlich vielen Möglichkeiten, die es dafür gibt. Wir bringen Erlebenden und Erlebbares zusammen.

Somit formt sich um SPORTIVATION eine Plattform zur Selbsterfahrung, zum Experimentieren und Begreifen, was Gesundheit neben Arbeit, Anstrengung und Überwindung noch sein kann. Mit diesem Bewusstsein ist es uns möglich, Gesundheitsmaßnahmen kreativ und unvoreingenommen anzubieten und Mitarbeitern und Unternehmensführung tatsächlich zu begegnen.

Erkenntnisse für das Leben

Ich stehe dem Thema Gesundheit nach wie vor neugierig gegenüber, erforsche und erfahre wortwörtlich mit Leib und Seele und sehe meine Entwicklung als stetigen Prozess, welcher sich situativ wandeln und gestalten darf. Dabei mache ich mir immer wieder sechs Erkenntnisse bewusst, die trotz der unumstrittenen Dynamik des Lebens fortlaufend für mich stimmen und mich in meinem Wohlbefinden unterstützen:

  • Ich allein bin verantwortlich dafür, wie ich mich körperlich und seelisch fühle.
  • Nur über das aktive Tun kann ich herausfinden, was gut für mich ist und was nicht.
  • Achtsamkeit, also das bewusste Hinwenden zu einer Sache, hilft enorm, um Klarheit über Wohlbefinden und Nichtwohlbefinden zu schaffen.
  • Wie innen so außen: Meine Gedanken, Gefühle, Glaubenssätze formen, wie ich meine Außenwelt wahrnehme und wie ich diese willentlich gestalte. Mit der Kraft meiner Intuition kann ich meinen Willen und meine Visionen konsequent umsetzen.
  • Es ist bereits alles da, was ich für ein zufriedenes Leben brauche: Ich kann meiner inneren Stimme zuhören und erfahre, was jetzt in diesem Moment für mich stimmt und richtig ist. Dieser individuelle Kompass ist zuverlässig zu jeder Zeit und in jeder Situation abrufbar.
  • Nicht was, sondern wie: Spüre ich innere Widerstände oder ein Unbehagen, so hilft mir die Frage „Wie will ich JETZT sein?“, um die Anbindung zu meinem eigentlichen Seinszustand herzustellen.

Nach Ruediger Dahlke liegt alles im Anfang. Dieser Satz hebt so wunderbar hervor, wie wichtig Selbstwirksamkeit im Erfahren von Gesundheit ist. Alles beginnt in uns, denn nichts anderes als unser Körper, unser Geist und unsere Seele sind seit Geburt an da und werden es auch immer sein. Sie sind allwissend, weise und zuverlässig. Sie zeigen auf, welchen Schlüssel wir derzeit in der Hand halten. Öffnen wir die Tür zu mehr Bewusstsein, Lebensfreude und Energie oder Unbewusstheit, Müdigkeit und Anstrengung? Testen Sie es selbst einmal aus, durch welche Tür Sie momentan in Ihrem Alltag schreiten, indem Sie sich fragen: Wie will ich jetzt, heute, in diesem Leben sein? Entspricht dieser Wille meinem tiefsten Herzenswunsch? Richte ich meinen Alltag, meine beruflichen und privaten Aktivitäten und sozialen Kontakte danach aus? Sie sind der Anfang. Alles, was danach kommt – Erfolg, Krankheit, Gesundheit, Erfüllung –, basiert auf diesem Prinzip und gestaltet sich einfach. Wohl, entspannt, freudig, ausgelassen oder wie auch immer Sie in diesem Leben sein wollen – es ist einfach, es ist möglich und hier und jetzt beginnt es, denn:

Der Schlüssel sind Sie.

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