Morgenroutine

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Kurz- und langfristige positive Folgen von Präsentismus

Wünschen Sie sich beim Klingeln des Weckers morgens auch manchmal, es sei nur ein schlechter Traum und Sie könnten noch selig ein paar Stündchen weiter dösen?
Vielen Menschen fällt es schwer, sich aus der wohligen, entspannten Schlafwelt zu lösen und sich dem neuen Tag mit seinen tausend Aufgaben, Erwartungen, Wegen, Absprachen und wahrscheinlich kleineren und größeren Sorgen zu stellen. Auch wenn darunter (hoffentlich) viele Dinge sind, auf die wir uns freuen oder die uns Spaß bereiten, setzen sie bei vielen von uns ein Gedankenkarussell an Planung und innerer todo-Listen in Gang, dass so manche*r gerne noch ein Weilchen „wegsnoozen“ würde. Und warum eigentlich nicht? 15 Minuten mehr haben wir eigentlich alle – die Frage ist vielleicht eher, ob wir wirklich die Nachweckfunktion antippen und uns diesem unangenehmen Moment, in dem der bevorstehende Tag auf uns einprasselt, ein zweites Mal stellen oder ob wir sie nicht für ein positiveres Morgenritual nutzen.

Ich möchte meines hier gerne teilen, ohne behaupten zu wollen, dass es die optimale Morgenroutine schlechthin ist -jede*r ist unterschiedlich und findet über andere Wege einen guten Start in den Tag. Dabei haben wir schon von unserer Veranlagung her unterschiedlich günstige Ausgangsbedingungen, mehr oder weniger gut aus dem Bett zu kommen: Die Biologie teilt Menschen in Lärchen und Eulen ein. Getreu der Vogelanalogie stehen Lärchen von Natur aus gerne und leichter früh auf, gehen tendenziell auch abends früher schlafen und haben ihre produktive Phase gleich morgens. Eulen blühen oft abends noch einmal auf, können dort auch besser Leistung zeigen als Lärchen und gehen daher oft deutlich später schlafen. Dazwischen liegen natürlich auch Mischtypen. Gerade Menschen mit Tendenz zur Eule kann eine persönliche, wohltuende Morgenroutine zu einem weniger schläfrigen Start in den Tag verhelfen. Als Eule kann ich dabei versichern, dass die Macht der Gewohnheit sich mit dem Biorhythmus messen lassen kann: Haben Sie erstmal ein oder mehrere kleine Rituale für sich etabliert, fällt es fast schon schwer, sie einmal auszulassen. Körper und Psyche gewöhnen sich schnell an Abläufe und werden sozusagen darauf konditioniert, dass uns diese guttun und zu einem guten Morgen dazugehören.

Was habe ich nun also zu meiner Routine gemacht? Ich verkneife mir den schlafwandlerischen Griff zum Smartphone auf dem Nachttisch und lasse den Flugmodus erstmal noch eingeschaltet. Irgendwann habe ich beschlossen, dass nicht digitale Push-Benachrichtigungen und 27 neue Whatsapp-Gruppenbenachrichtigungen die ersten Reize sein sollen, die mich an einem frischen Tag erreichen. Dieser Reiz ist bei mir Licht, weshalb ich erstmal die Vorhänge zur Seite ziehe, das Fenster öffne und mich kurz an die frische Luft stelle. Auch im Winter tut die kalte Morgenluft gut, man darf es dann nur nicht zu ausgedehnt tun oder sollte sich einen Schal um Schultern und Hals legen. Ich verbinde diesen Moment gerne mit ein paar tiefen Atemzügen, schließe die Augen dabei nochmal oder lasse den Blick hinunter auf die Straße schweifen und schaue dem beginnenden Leben dort zu. Auch wenn mir der Blick in eine volle Baumkrone mit zwitschernden Vögeln lieber wäre, gibt es auch auf einer Straße mitten in der Stadt schöne, kleine Details zu entdecken. Oft mache ich mir dann einen Kräuter- oder Ingwertee und während dieser zieht, mache ich ein paar einfache Dehn- und Yogaübungen, die mich strecken und mobilisieren. Das Fertigmachen im Bad verbinde ich gerne mit einem guten und kurzen Podcast. Grundsätzlich gilt es, darauf zu hören, was einem morgens guttut. Möchten Sie sich schon körperlich aktivieren oder ist Ihnen lieber nach einer kurzen Meditation oder Atemübung vielleicht im Lieblingssessel? Das Ganze ist natürlich auch tagesformabhängig. Auch wenn Sie sich grob einer bestimmten Morgenpersönlichkeit zuordnen, geht es nicht darum, ein starres Programm zu entwerfen, an das Sie sich jeden Tag strikt halten. Vielleicht ist Ihnen an einem Tag danach, den ersten Kaffee des Tages im Bett zu genießen und an einem anderen zieht es Sie direkt hinaus und Sie nehmen sich die Zeit für eine halbe Stunde joggen. Ich empfinde es als wertvoll, mir ein ganzes Repertoire an kleinen Routinen aufzubauen, auf die ich je nach Tagesform, Lust und Zeit zurückgreifen kann.

Bei all der Gestaltungsfreiheit, die Sie also beim Entwerfen Ihrer individuellen Morgenroutine haben, gibt es jedoch eine wichtige Regel: Zeit sollte nie der Grund sein, jegliches kleine, schöne Ritual ganz ausfallen zu lassen, denn dann geht der ursprüngliche Sinn dahinter verloren - ein kurzer Moment des ganz bei sich Seins, in dem alles weitere des anbrechenden Tages noch für kurze Zeit egal sein darf.

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