Ernährungshypes

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Nach dem Trend ist vor dem Trend

Ernährungshypes

Ernährungshypes - Nach dem Trend ist vor dem Trend

Low Carb, Low Fat, Paleo, Intermittierendes Fasten… Um nur ein paar zu nennen.

Verschiedene Ernährungsformen sprießen wie Pilze aus der Erde. Was heut noch „In“ war, ist morgen schon komplett überholt. Was passiert, wenn die Ernährungshinweise so langsam wieder aus den Zeitschriften verschwinden und die Gesichter der jeweiligen Ernährungspäpste so langsam in unserem Gedächtnis verblassen? Klar, dann steht schon die nächste Ernährungsform vor der Tür, die ein langes Leben und ewige Gesundheit verspricht. Und die Vergessenen? Seien sie sich sicher, in 10 bis20 Jahren gräbt sie bestimmt wieder jemand aus und wir alle freuen uns über den nächsten Hype (ähnlich wie Schlaghosen, nur nicht so präsent).

Nehmen wir Low Carb (nur so als Beispiel, im Grunde genommen könnte man auch jeden anderen Trend aufgreifen). Low Carb ist eine Ernährungsform, bei der der Anteil der Kohlenhydrate in der täglichen Ernährung mehr oder weniger stark reduziert wird. Während meines Studiums schien Low Carb plötzlich aufzutauchen, einmal die halbe Welt zu begeistern um jetzt wieder als Randernährungsform ihr Dasein zu fristen.

Werfen wir einen Blick ins Geschichtsbuch, denn was vor ein paar Jahren als die neuste Entdeckung verkauft wurde, hat zumindest diesen Titel absolut nicht verdient: Der Erste, der nachgewiesen einen Low-Carb-Hype auslöste war William Banting Ende des 19. Jh. mit seinem Buch „Offener Brief über Korpulenz, an das gesamte Publikum gerichtet“. Eine weitere Low-Carb-Bekanntheit, Robert Atkins, löste in den 1980ger Jahren eine weitere Welle mit der Atkins Diät aus. Andere versuchten ihr Glück mehr oder weniger erfolgreich unter Titeln wie „Glyx-Diät“, „LOGI-Diät“, Ketogene Diät, No-Carb-Diät, Montignac-Methode…. Man könnte auch diese Liste ewig fortsetzen.

Doch warum ploppen die Ernährungsformen immer wieder auf, um Jahre später in die Vergessenheit zu verschwinden (wobei die Vergessenheit in der heutigen Medienlandschaft wohl auch nicht ganz zutrifft)? Wo kommen die Hypes her, was macht sie zu Hypes und warum können sie sich nicht etablieren?

Kommen wir zu den Schlaghosen zurück. Bei Kleidung ist das recht einfach: Die Modeindustrie möchte verkaufen und um das Konsumverhalten aufrecht zu erhalten, muss immer etwas Neues angeboten werden. So kommt es alle Jahr(zehnt)e wieder zum Revival von Kleidungsstücken.

Bei der Ernährung ist der Fall komplexer. Da steht zwar auch eine große Industrie dahinter, diese erfindet sich aber nicht regelmäßig neu, sondern ist eher bemüht so billig wie möglich Lebensmittel zu produzieren, die optisch und geschmacklich beim Kunden ankommen. Ernährung birgt aber noch einen anderen Aspekt, der in der Modeindustrie eine eher untergeordnete Rolle spielt: Die Gesundheit.

Vor allem dem Gesundheitsaspekt ist das Auftreten der Ernährungstrends geschuldet. Am laufenden Band werden Studienergebnisse veröffentlicht, die Ernährungsformen besondere gesundheitliche Vorteile zusprechen, Lebensmittel in den Himmel loben, oder diese verteufeln.

Jetzt bedarf es einer Stange Glück. Die Ergebnisse müssen medienwirksam präsentiert werden. Am besten in den großen Medien, mit einfachen Botschaften und Regeln. Die positiven Effekte übertrieben herausgearbeitet und dann noch ein ausdrucksstarkes Bild dazu. Fertig ist das Grundrezept. Wenn es jetzt noch genug Promis und Influencern gefällt und sich als einigermaßen praktikabel erweist, steht dem Herdentrieb nichts mehr im Wege. Ein neuer Trend wurde geboren.

Das soll nicht heißen, dass diese Hypes sind, oder keine Effekte haben. Nehmen wir Low Carb, so finden sich mittlerweile unzählige Studien, die positive Auswirkungen dieser Ernährungsform, in ihren verschiedensten Ausprägungen, auf die Gesundheit gefunden haben. Aber warum wird Low Carb so langsam wieder eine Randgruppenerscheinung, wenn es sich doch in vielen Fällen als nützlich und gesund erwiesen hat?

Hier spielen mehrere Aspekte eine Rolle. Oft werden die Hypes durch einen neuen Trend ersetzt. Ein anderer Trend erweist sich als noch gesünder oder einfacher in der Umsetzung. Beim Fall Low Carb war das vor allem das Intermittierende Fasten. Warum auf eine Menge Lebensmittel verzichten, wenn man doch, zwar zeitlich beschränkt aber, alles essen kann.

Nach einiger Zeit erweisen sich viele Trends als nicht so praktikabel oder es treten nachteilige Effekte auf. So war Low Carb eine Zeit lang gesellschaftsfähig, hat es aber nie erfolgreich in die Außer-Haus-Verpflegung, sprich in Kantinen, Restaurants und Imbissbuden geschafft. Auch negative Effekte wie Mundgeruch, Muskelkrämpfe, Übelkeit und Kopfschmerzen werden viele Menschen dazu bewegt haben sich eine andere Ernährungsform zu suchen.

Zu guter Letzt: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Eine Ernährungsumstellung kostet meist Zeit, man muss sich informieren, gegebenenfalls außerhalb des gewohnten Einkaufumfelds Lebensmittel besorgen. Es steckt also jede Menge Arbeit darin. Leicht verfallen wir wieder in die gewohnten Muster, die uns Sicherheit geben. Auch die fehlende Flexibilität vieler Ernährungsformen und die rigiden Regeln machen es Trends schwer zur Standardernährung zu werden.

Warum es trotzdem Sinn macht, sich den einen oder anderen Trend genauer anzuschauen:

Auch wenn man weiß, dass er spätestens in 5 bis 10 Jahren wieder verschwunden ist kann man sich über jeden neuen, gesunden Hype freuen (ich nehme hier extrem einseitige Ernährungsweisen und solche, die hauptsächlich auf Präparaten basieren mal raus). Es unterstützt, die eigene Ernährungsweise zu überdenken, neue Sachen auszuprobieren, Rezepte kennenzulernen und vielleicht bleibt der ein oder andere Aspekt sogar in der alltäglichen Ernährung erhalten und hilft ein bisschen gesünder zu essen. Man muss ihn ja nicht gleich in allen Aspekten ausleben.

 

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