40 Tage ohne Zucker

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40 Tage ohne Zucker

40 Tage ohne Zucker

„Wollen wir nicht mal eine Zeit lang auf Zucker verzichten?“

Dieser Satz hat mich vor 6 Jahren mal kurz aus der Fassung gebracht. Mein Freund, vor dem ich sämtliche Schokolade verstecken muss, um auch ein größeres Stück davon abzubekommen, fragt mich ernsthaft, ob wir auf Zucker verzichten wollen?!?

Der vollen Tragweite seiner Aussage war er sich damals nicht ganz bewusst. Natürlich war ich sofort dabei, sowohl auf privater als auch auf beruflicher Ebene eine Herausforderung witternd. Ein Zeitpunkt war schnell gefunden: Die Fastenzeit. Nicht mehr lange hin (es war Januar) und ein fest abgegrenzter Zeitraum, in dem die Akzeptanz für solche Experimente leichter fällt.

Schon Wochen vorher fing ich an, unsere Lebensmittel und Einkäufe nach (versteckten) Zuckern zu untersuchen. Gemeinsam hatten wir festgelegt, auf Haushaltzucker und Lebensmitteln zugesetzten Zucker zu verzichten.  Wenn man also die Zutatenliste betrachtet, neben Zucker auch auf alles was auf -ose (z.B. Dextrose, Maltose…) oder -sirup (z.B. Karamellsirup, Invertzuckersirup…) endet und auch auf die anderen versteckten Zuckerbegriffe. Dabei wurde selbst mir erst bewusst, in welchem Umfang Zucker heute in unseren Lebensmitteln enthalten ist.

Lebensmittelauswahl

Schnell wurde klar, dass wir den Großteil unserer Ernährung umstellen mussten und Außer-Haus-Essen erstmal gestrichen war. Nicht, dass wir uns bewusst besonders zuckerreich ernährten, aber die Spuren des Zuckers sind fast überall.

Die schwierigste Umstellung war bei weitem das Frühstück. Vor allem mir kann man mit herzhaftem Frühstück den ganzen Tag versauen, also mussten Alternativen gefunden werden. Erstmal wurde aussortiert: Tschüss Marmelade, ciao Schokocreme, auf Wiedersehen Aufback- und Bäckerbrötchen (wenn man ausgiebig sucht, findet man allerdings auch welche ohne Zucker), bye bye Basismüsli (Selbst dort war in den 5% enthaltenen Cornflakes Zucker) und au revoir Erdnussbutter. Zumindest waren das die Dinge, die wir aus unserem Standardrepertoire streichen mussten.

Das Mittagessen fiel etwas leichter, da ich so oder so gerne frisch koche und dabei versuche, den Zusatz von Zucker zu vermeiden, allerdings gibt es auch hier so einige Bestandteile, die wir beachten mussten. Fertiggerichte, vor allem solche, die Fleisch enthalten, sind bis auf wenige Ausnahmen mit Zucker versetzt, schnell mal Pizza in den Ofen war nun auch nicht mehr drin und Bestellen war aus Gründen der Nichtnachvollziehbarkeit der Zutaten auch erstmal gestrichen. Allerdings sind es beim Mittagessen vor allem die kleinen, unscheinbaren Elemente, die Zucker enthalten. Viele Kräutermischungen und so gut wie jede Brühe sind mit Zucker vermischt, auch unzähligen Konserven (Erbsen, Bohnen…) ist die weiße Substanz zugesetzt. Hier wurde erstmal groß aussortiert. Der Vorteil damals war zumindest, dass wir beide mit dem Schreiben unserer Masterthesis beschäftigt waren, daher wenig mit dem Außer-Haus-Verzehr in Berührung kamen und die tägliche Zeit zum Kochen ausreichend vorhanden war.

Zu Abend wurde wieder rigoros aussortiert. Käse ja, Wurst (zumindest in den allermeisten Fällen) nein, Frischkäse häufig ja, andere Aufstriche eher nein. Brot auch eher nicht, Antipasti ne, Wraps… auch sehr eingeschränkt.

Es wurde also die Wochen vorher schonmal gut weggegessen, was in der Zeit hätte schlecht werden können und Alternativen überlegt. Vieles ergab sich letztendlich aber erst in der Praxis.

Alternativen finden

Nachdem gefühlt 80 % unserer Standardernährung wegfiel, mussten wir kreativ werden, wobei das vor allem mein Part war.

Das Frühstück wurde umgestellt: Selbst gemischtes Müsli aus verschiedenen Flocken, gepufftem Pseudogetreide, jeder Menge Nüssen und frischem oder Tiefkühlobst (auch hier muss man auf die Zutatenliste schauen).  Manchmal gab es auch Pfannenkuchen oder Waffeln und ab und zu selbst gebackene oder zuckerfreie Aufbackbrötchen mit Obstmus als Marmeladenersatz (dafür im Laden nach Obstmark oder Babygläschen schauen).

Mittags wurde frisch gekocht oder es gab Reste, da fiel die Umstellung tatsächlich nicht schwer. Durch die vermehrte Beschäftigung mit der Lebensmittelauswahl kamen allerding  auch viele neue Gerichte auf den Tisch. Nach einer gewissen Zeit hat man sich meist ja doch eingespielt und isst häufig dasselbe.

Abends gab es in der Zeit viel Käse, auch mal etwas Warmes, wie selbstgemachte Wraps oder Flammkuchen. Brot haben wir meistens selbstgebacken und mit einer Vielzahl an Dips und Gemüsesticks garniert.

Alternativen für Snacks waren wahrscheinlich  am kompliziertesten zu finden, da wir beide hin und wieder gerne naschen, war weglassen aber auch keine  Option. Neben Nüssen, frischem Obst und selbstgemachtem Eis gab es eine Menge Fehlschläge im Bereich selbstgemachter Kuchen. Ich backe schon immer zuckerreduziert, aber ganz ohne war eine Herausforderung. Bananen isst mein Freund nicht, Datteln mag ich nicht und mit Honig oder Agavendicksaft backen wollte ich nicht. Bis heute haben wir übrigens keine passende Alternative gefunden, sondern bedienen uns der anderen genannten Varianten für Snacks.

40 Tage ohne Zucker

5 Wochen und 5 Tage keinen Zucker - ganz ehrlich, bis zum Start des Experiments hatten wir die 40 Tage nie in Wochen gerechnet, aber spätestens an Tag 2 war uns die Dauer dann bewusst.

Zu Beginn war die Umstellung noch recht einfach. Wir probierten Neues aus, experimentierten ein wenig in der Küche und waren der Meinung, das wird schon nicht so schwer werden. Die Motivation und der Drang sich selbst zu überwinden, waren hoch.

Mit der Zeit wurde es dann schwieriger, immer häufiger stand die Frage „Warum machen wir das überhaupt?“ im Raum, die Frustschokolade oder der schnelle Energieschub, wenn das Hirn mal wieder nicht so laufen wollte wie es sollte, fehlten. Das Nervenkostüm war zuweilen sehr dünn, weshalb wir uns doch das eine oder andere Mal besser aus dem Weg gegangen sind. Die Versuche, zuckerfrei Süßigkeiten herzustellen oder dem Drang nach Süßem mit frischem Obst und Nüssen entgegenzuwirken, waren mal mehr mal weniger erfolgreich. Abgebrochen haben wir aber noch nie.

Unser Stimmungsverlauf war vor allem zum Ende hin eher schwankend, ein paar Tage lief es problemlos um dann wieder ein, zwei Tage zu richtig schlechter Stimmung und Abbruchsgedanken zu führen. Der Gedanke, dauerhaft dabei zu bleiben, kam jedoch bei keinem von uns auf.

Was haben wir mitgenommen?

Für mich war das interessanteste an dem Experiment die Auswirkungen auf den Körper zu spüren und zu erfahren. Außer Stimmungsschwankungen und schlechter Laune muss ich allerdings zugeben, dass es nichts Auffälliges passierte. Wobei man die erste Zeit danach schon ein bisschen bewusster wahrnimmt, wie süß manche Lebensmittel eigentlich schmecken.

Was für uns langfristig bleibt, ist die Umstellung des Frühstücks, zumindest an drei Tagen die Woche gibt es nur ungesüßtes Müsli mit Obst und ein bis zweimal die Woche Waffeln oder Pfannkuchen. Den Zuckeranteil in Süßspeisen und Kuchen reduziere ich noch konsequenter immer auf ca. 50 % der angegebenen Menge im Rezept und wir betrachten die Zutatenliste vor allem bei Fertiggerichten aus einem anderen Blickwinkel.

Zu guter Letzt: Wir sind dabeigeblieben und fasten jedes Jahr aufs Neue unsere 40 Tage Zucker. Einerseits reizt uns dabei die Herausforderung, andererseits sind wir seit wir arbeiten und Kinder haben nicht mehr ganz so rigide. Soo ist das Essen in der Kantine außen vor, unsere Eltern dürfen wieder kochen was sie geplant hatten und der ein oder andere Ausrutscher wird auch nicht mehr als so tragisch empfunden.

Wenn alles läuft wie geplant werden wir dieses Jahr ein paar Tage später starten. Im Urlaub am Buffet verzichten, das möchte hier nämlich keiner.

 

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